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Courage zeigen, Opfer schützen

09.04.2024

Vertiefung der Gewaltprävention am ChG

„Du stehst am Bahnhof und wartest auf den Zug. Direkt neben dir gibt‘s eine laute Diskussion und ein Gerangel. Plötzlich liegt jemand am Boden. Was machst du?“ Mögliche Lösungswege für solche Alltagssituationen, die regelmäßig eskalieren, erarbeitete Michaela Hofmeister, Präventionsbeamtin der Bundespolizei Freilassing, mit den Jugendlichen der 9. Klassen des Chiemgau-Gymnasiums. Zum Abschluss erläuterte Günter Schwarz, Präventionsbeauftragter im Weißen Ring: „Jeder Vorfall ist am besten von vornherein zu vermeiden. Damit es erst gar kein Opfer gibt, setzen wir sehr stark auf Prävention. Wenn es aber tatsächlich passiert ist, kommen wir mit gezieltem Opferschutz ins Spiel, der sich von der staatlichen Hilfe sehr unterscheidet.“

Seit Jahren bietet der Elternbeirat des ChG Selbstverteidigungskurse und Selbstbehauptungskurse in der Freizeit der Schülerinnen und Schüler an, um die Selbstwirksamkeit der jungen Leute zu fördern. Im Rahmen des Schulunterrichts wird die Gewaltprävention schulseits im 7. Jahrgang durch den Präventionsbeamten der Landespolizei abgedeckt. „Ab der 9. Klasse sind die Kinder deutlich mehr außer Haus und gehen abends weg. Dabei können sie leicht in gefährliche Situationen kommen. Deshalb begrüßen wir eine Vertiefung des Themas in der 9. Jahrgangsstufe sehr“, waren sich Schulleiter Markus Gnad und Mittelstufenbetreuer Stefan Schuch einig, als der Elternbeirat an sie herantrat, erstmals so eine Veranstaltung im Klassenverband organisieren zu wollen. Zumal die Inhalte optimal zum Jahresthema „Zivilcourage“ passen.

Großes Interesse gab es von den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen für den Gewaltpräventionsunterricht von Michaela Hofmeister von der Bundespolizei.
Großes Interesse gab es von den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen für den Gewaltpräventionsunterricht von Michaela Hofmeister von der Bundespolizei.

Michaela Hofmeister unterrichtete alle vier Klassen der 9. Jahrgangsstufe jeweils eine Schulstunde praktisch und eine theoretisch. Dabei wurden so wichtige Themen behandelt wie verschiedene Delikte und deren Ahndung bei Vergehen, das Jugend- und Erwachsenenstrafrecht, Notwehr und Nothilfe, Öffentlichkeit herstellen, Absetzen des Notrufs, Herausholen des Opfers, Anzeige erstatten, Zeugenaussage, etc. Mögliche Lösungen für verschiedenste Situationen wurden durchgespielt, um in solchen oder ähnlichen Fällen überlegt handeln und adäquat reagieren und helfen zu können.

„Je mehr Leute anwesend sind, desto weniger fühlen sich verantwortlich, etwas zu tun. Das kennt jeder von uns schon aus dem Alltag und es ist in extremen Situationen nicht anders. Ergreift also bitte im Rahmen eurer Möglichkeiten die Initiative, wenn ihr Zeuge einer gefährlichen Situation oder eines Notfalls werdet. Organisiert Hilfe, setzt den Notruf ab. Aber bringt euch dabei bitte niemals selbst in Gefahr“, leitete die Präventionsbeamtin die sehr interessierten Jugendlichen an.

Michaela Hofmeister sammelt Ideen, wie wirkungsvoll geholfen werden kann.
Michaela Hofmeister sammelt Ideen, wie wirkungsvoll geholfen werden kann.

Der ganze Jahrgang kam im Anschluss in der neuen Aula der Schule zusammen für Fragen und eine intensive Beschäftigung mit dem Opferschutz. Günter Schwarz, der seit Jahren beim Weißen Ring tätig ist, konnte einiges berichten und auch anhand von Beispielen auf Fragen gezielt eingehen.

„Jeder will Hilfe bekommen, wenn er oder sie in eine entsprechende Situation gerät und sich gerade nicht selbst helfen kann. Und wir alle können unvorhergesehen zum Opfer werden und plötzlich auf Hilfe angewiesen sein. In einer starken Gesellschaft wie unserer sollte es selbstverständlich sein, dass jede und jeder Zivilcourage zeigt und hilft so gut er oder sie kann“, resümierte Elternbeiratsvorsitzende Claudia Lahr und bedankte sich bei den Referenten für deren engagierten Einsatz.

Claudia Lahr (Elternbeiratsvorsitzende)

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